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Hepatitis

Hepatitis B erkennen

Vom ersten Verdacht zur sicheren Diagnose

Eine Hepatitis-B-Infektion verläuft in den meisten Fällen symptomfrei. Auch wenn in manchen Fällen Beschwerden auftreten, sind diese meist sehr unspezifisch. Das häufigste Symptom einer chronischen Hepatitis B ist eine anhaltende Müdigkeit – ein Anzeichen, das auch auf unzählige andere, völlig harmlose Ursachen im Alltag zurückgeführt werden kann. Auch andere Symptome wie leichte Bauchschmerzen oder Abgeschlagenheit weisen nicht eindeutig auf eine Leberentzündung hin.1 Aber: Eine frühzeitige und korrekte Diagnose ist entscheidend für die notwendige medizinische Versorgung, um vor schwerwiegenden Folgeschäden zu schützen oder ihr Risiko zumindest deutlich zu reduzieren.

Weibliche medizinische Fachkraft bespricht Befunde mit männlichem, übergewichtigem Patienten.

Auch wenn eine chronische Hepatitis B nach heutigem Stand der Medizin noch nicht vollständig heilbar ist, lässt sich das Virus durch eine engmaschige Überwachung und moderne Therapien eindämmen, um deine Leber vor Folgeschäden zu schützen. Die meisten Menschen mit einer diagnostizierten, chronischen Hepatitis-B-Infektion führen dank regelmäßig kontrollierter Behandlungen ein weitgehend normales Leben.  

Du möchtest mehr über den Alltag mit einer Hepatitis-B-Erkrankung erfahren? Hier findest du weitere Informationen zum Leben mit Hepatitis B. 

Wann ist ein Test ratsam? 

Es gibt Situationen, in denen ein gezielter Test auf das Hepatitis-B-Virus dringend empfohlen wird. In der Schwangerschaftsvorsorge ist dieser spezifische Test in Deutschland bereits fest verankert, um Neugeborene zu schützen.

Häufig ist es jedoch ein erhöhter Leberwert (GPT, GOT) bei einer Routine-Blutuntersuchung, der den Stein ins Rollen bringt. Da diese Standard-Leberwerte zwar eine Belastung der Leber anzeigen, aber nichts über die Ursache aussagen, folgt im zweiten Schritt der gezielte Hepatitis-B-Test zur genauen ärztlichen Abklärung.2 Darüber hinaus wird eine aktive Testung insbesondere für Personen empfohlen, bei denen ein erhöhtes Risiko für eine Ansteckung oder einen schweren Krankheitsverlauf vorliegt. Kurz zusammengefasst betrifft das:2

  • Personen mit Vorerkrankungen (z. B. HIV, Hepatitis C, Dialyse- oder Chemotherapie-Patienten)

  • Berufsgruppen mit Infektionsrisiko (z. B. medizinisches Personal, Rettungsdienste, Polizei)

  • Personen mit erhöhtem Kontaktrisiko (z. B. im gemeinsamen Haushalt mit Infizierten, bei ungeschütztem Sex mit wechselnden Partnern oder durch die gemeinsame Nutzung von Spritzen)

  • Personen, die bestimmte historische und geografische oder Reise-Kriterien erfüllen (z. B. Erhalt von Bluttransfusionen vor 1992, Herkunft oder Reisen in Gebiete mit hoher Verbreitung)

Erfahre hier im Detail, wer zu den Risikogruppen gehört.

 

Wie kann ich mich testen lassen? 

In Deutschland gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich auf das Hepatitis-B-Virus testen zu lassen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die persönliche Gesundheitsvorsorge.

Über den Gesundheits-Check-Up:

Nutze deine Vorsorge! Ab dem vollendeten 35. Lebensjahr hast du im Rahmen der allgemeinen gesetzlichen Gesundheitsuntersuchung („Gesundheits-Check-Up“) Anspruch auf eine einmalige Testung auf Hepatitis B. Die Kosten hierfür werden von allen Krankenkassen vollständig übernommen.

Während die allgemeine Gesundheitsuntersuchung alle drei Jahre durchgeführt werden kann, ist das integrierte Screening auf Hepatitis B (und Hepatitis C) eine einmalige Leistung.3

Werde aktiv: Sprich deine Ärztin oder deinen Arzt bei deinem nächsten Termin gezielt auf das Screening an. Im Rahmen des Termins erfolgt dann ein kurzes Gespräch über deine möglichen persönlichen Risikofaktoren.

Auf der offiziellen Seite des Bundesministeriums für Gesundheit erfährst du mehr zum Gesundheits-Check-Up.

Solltest du jünger als 35 Jahre sein oder den Test aus anderen Gründen durchführen lassen wollen, gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Als Kassenleistung bei Verdacht

    Wenn du unter unklaren Symptomen leidest (wie anhaltender Müdigkeit, Oberbauchschmerzen) oder zu einer der Risikogruppen gehörst, wird der Test von den Krankenkassen in der Regel vollständig übernommen.

  • Als Selbstzahler – Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL)

    Möchtest du dich ohne konkreten Verdacht, außerhalb des Gesundheits-Check-Up oder für den Reise- bzw. Arbeitgeberbedarf testen lassen, kannst du dies in deiner Hausarztpraxis als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) anfragen. Die Kosten liegen in der Regel zwischen 25 und 80 €. Diese Angabe ist aber ohne Gewähr – tatsächliche Kosten können abweichen. Bitte deine Arztpraxis vor der Untersuchung um einen konkreten Kostenvoranschlag.

Wie läuft der Test ab und was bedeuten die Werte?

Die Diagnose von Hepatitis B erfolgt über eine einfache Blutuntersuchung, die in der Arztpraxis routinemäßig durchgeführt wird. Auch wenn für den Test eine herkömmliche Blutprobe völlig ausreicht, wird Hepatitis B nicht automatisch bei jedem Standard-Blutbild im Labor mitbestimmt. Deine Ärztin oder dein Arzt muss diesen spezifischen Erregertest (die sogenannte Serologie) gezielt auf dem Laborzettel anfordern bzw. ankreuzen. Der Ablauf entspricht dem einer herkömmlichen Blutentnahme und ist in wenigen Minuten erledigt. Anschließend wird deine Blutprobe an ein Fachlabor geschickt und dort analysiert. In der Regel dauert es nur wenige Tage, bis die Ergebnisse vorliegen. Deine Arztpraxis kann dir hierzu eine genaue Auskunft geben.

Was genau wird im Labor untersucht?

Die Diagnostik basiert auf dem Nachweis von verschiedenen Virus-Bestandteilen (Eiweißen) und den Abwehrstoffen, die dein Körper bildet (Antikörpern). Nach den aktuellen medizinischen Leitlinien in Deutschland wird für die erste Abklärung ein sogenanntes initiales Screening durchgeführt. Dazu untersucht das Labor dein Blut auf zwei entscheidende Marker, um festzustellen, ob du jemals Kontakt mit dem Virus hattest oder aktuell infiziert bist.1,2,4

Grafische Darstellung der Blutwerte, Nennung Wert und zugehörige Fragen.

Die Laborwerte verständlich erklärt

Um die Ergebnisse eines Laborberichts besser nachvollziehen zu können, lassen sich die Werte in die verschiedenen diagnostischen Schritte unterteilen: 1,2,4

Icon Eins

Allgemeine Leberwerte

Die allgemeinen Leberwerte können im Rahmen einer Routine-Blutuntersuchung oder Vorsorge bei deinem Hausarzt bestimmt werden. Sie dienen als erstes Anzeichen, ob die Leber aktuell belastet oder geschädigt ist.

  • Transaminasen (Leberwerte GPT und GOT)

    Was zeigen die Werte an? 

    Erhöhte Transaminasen-Werte weisen direkt auf eine aktive Entzündung oder Schädigung der Leberzellen hin.

    Was ist das? 

    GPT (Alanin-Aminotransferase) und GOT (Aspartat-Aminotransferase) sind Enzyme, die sich in den Leberzellen befinden. Bei einer Entzündung der Leber treten sie vermehrt ins Blut über. 

    Hier findest du eine ausführliche Erklärung der Leberwerte

Icon Zwei

Das initiale Screening auf Hepatitis: HBsAg und Anti-HBc

Der gezielte Hepatitis-B-Test ist der entscheidende Schritt im Diagnose-Prozess. Er wird zum Beispiel dann durchgeführt, wenn die allgemeinen Leberwerte erhöht sind oder Verdacht auf eine Infektion besteht. Auch zur Vorsorge im Rahmen des Gesundheits-Check-ups oder als Selbstzahler (IGeL) wird der Hepatitis-B-Test eingesetzt. 

Da diese Werte nicht automatisch bei einer normalen Blutabnahme bestimmt werden, solltest du deine Ärztin oder deinen Arzt beim Termin aktiv auf diesen Suchtest ansprechen. 

  • HBsAg (Hepatitis-B-surface-Antigen = Oberflächen-Antigen)

    Was zeigt der Wert an? 

    Dieser Wert zeigt an, ob aktuell eine akute oder chronische Infektion vorliegt. 

    Was ist das? 

    HBsAg ist ein Eiweiß auf der Oberfläche des Virus. Das Virus bindet mit dem Eiweiß an die Leberzellen. Das Virus stellt dieses Eiweiß in großen Mengen her. Es dient nicht nur der Vermehrung, sondern lenkt auch das Immunsystem ab und kann dadurch Entzündungen auslösen.

  • Anti-HBc (Hepatitis-B-core-Antikörper = Antikörper gegen das Kern-Antigen)

    Was zeigt der Wert an? 

    Anti-HBc zeigt an, ob zu irgendeinem Zeitpunkt im Leben ein Kontakt mit dem Hepatitis-B-Virus stattgefunden hat. Dieser Wert allein erlaubt jedoch keine Aussage darüber, ob die Infektion aktuell noch aktiv oder bereits geheilt ist.

    Was ist das? 

    Diese Antikörper richten sich gegen den inneren Kern des Virus (das Core-Antigen). Sie werden nach fast jedem Viruskontakt gebildet. Sie bleiben ein Leben lang im Blut nachweisbar. 

Icon Drei

Weitere Werte zur Bestimmung der Virusaktivität 

Fällt das initiale Screening positiv aus, wird dich deine Hausarztpraxis in der Regel an eine spezialisierte Facharztpraxis – etwa für Gastroenterologie, Hepatologie oder Infektiologie – überweisen. Diese Spezialisten veranlassen nun tiefergehende Labortests, die genau zeigen, wie stark sich das Virus vermehrt, in welcher Phase sich die Infektion befindet und ob eine medikamentöse Therapie notwendig ist.

  • HBV-DNA (Erbmaterial des Virus)

    Was zeigt der Wert an? 

    Die Bestimmung der HBV-DNA Menge (quantitative Messung) ist die genauste Methode, um die Menge der aktiven Viren im Blut (Viruslast) nachzuweisen. Dieser Wert gilt als wichtigster Anhaltspunkt für den Krankheitsverlauf und als entscheidender Maßstab für die Frage, ob eine medikamentöse Therapie empfohlen wird.

    Was ist das? 

    Die HBV-DNA ist der genetische Bauplan des Hepatitis-B-Virus (HBV). Die quantitative Bestimmung der HBV-DNA mittels hochempfindlicher Labormethoden (PCR-Test) ist empfindlicher als reine Antigen-Tests. 

  • HBeAg (Hepatitis-B-e-Antigen)

    Was zeigt der Wert an? 

    Der Nachweis von HBeAg zeigt eine besonders hohe Virusaktivität und eine starke Vermehrung des Virus im Körper an. Es dient als wichtiger Indikator, um den aktuellen Zustand der Krankheit genauer einzuschätzen und zu beurteilen, wie gut eine Behandlung anschlagen könnte.

    Was ist das? 

    Dieses Eiweiß wird vom Virus gebildet und aktiv in die Blutbahn abgegeben. Das Virus nutzt dieses Eiweiß unter anderem, um das körpereigene Immunsystem zu beeinflussen.

  • Anti-HBe (Hepatitis-B-e-Antikörper)

    Was zeigt der Wert an? 

    Das Auftreten von Anti-HBe zeigt an, dass das Immunsystem damit beginnt, die Virusvermehrung zu kontrollieren. Es geht oft mit einer abnehmenden Virusvermehrung einher.

    Was ist das? 

    Diese Antikörper bildet der Körper gegen das HBeAg. 

Icon Vier

Die Bestimmung deines Schutzes 

Diesen Schritt veranlasst die Arztpraxis immer dann, wenn geklärt werden soll, ob nach einer Impfung oder einer bereits überwundenen Infektion eine wirksame Abwehr im Körper aufgebaut wurde.

  • Anti-HBs (Hepatitis-B-Surface-Antikörper)

    Was zeigt der Wert an? 

    Anti-HBs zeigt, ob dein Immunsystem einen aktiven Schutz (Immunität) gegen das Hepatitis-B-Virus hat. Die gemessene Menge dieser Antikörper im Blut wird in der Medizin auch als „Titer“ (oder „Impftiter“) bezeichnet. Ein Antikörper-Wert von 100 IE/l oder höher nach einer vollständigen Impfserie gilt als Beleg für einen erfolgreichen und in der Regel lebenslangen Schutz.

    Was ist das? 

    Diese Antikörper bildet dein Immunsystem als Antwort auf eine erfolgreiche Impfung oder nach einer ausgeheilten Infektion. Sie binden an das HBsAg und machen das Virus unschädlich. 

Wichtiger Hinweis zur Diagnose:

Die Auswertung der Ergebnisse erfolgt immer durch deine Ärztin oder deinen Arzt. Erst aus der Kombination der verschiedenen Laborwerte und gegebenenfalls weiteren Untersuchungen (wie einem Ultraschall der Leber) kann eine sichere Diagnose gestellt werden.

Nach der Diagnose

Wenn das Testergebnis positiv ausfällt, ist es völlig normal und verständlich, dass diese Nachricht im ersten Moment schockt, verunsichert und viele Fragen oder Sorgen aufwirft. Nimm dir Zeit, die Nachricht zu verarbeiten. Mach dir bewusst, dass du mit dieser Diagnose nicht allein bist und dass es eine Virusinfektion ist, wie viele andere auch. Eine chronische Hepatitis B ist heute zwar meist noch nicht heilbar, aber sie ist gut behandelbar und lässt sich sehr gut kontrollieren. Die Diagnose ist der Startpunkt für einen bewussten Umgang mit deiner Lebergesundheit. 

Die ersten Schritte nach dem Befund

Nachdem eine Infektion festgestellt wurde, geht es vor allem darum, Klarheit über den aktuellen Zustand deiner Leber zu gewinnen und das beste weitere Vorgehen abzuwägen. Folgende Schritte stehen nun für dich an:

Icon Frage

Nimm dir Zeit und notiere deine Fragen: Gib dir selbst genügend Zeit, um den ersten Schock zu verdauen. Schreibe am besten alle Fragen auf, die dir durch den Kopf gehen. So hast du sie beim nächsten Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt direkt griffbereit und vergisst nichts in der Aufregung.

Icon Ärztin

Besprich die Ergebnisse mit deinem behandelnden Arzt: Besprich das Testergebnis in aller Ruhe mit deinem Arzt. Er kennt ggf. deine Krankengeschichte und kann dir bereits erste Fragen beantworten. Zudem wird er dir helfen, dich auf die nächsten Schritte vorzubereiten.

Icon Brief

Überweisung an Spezialisten einholen: Lass dir eine Überweisung zu einem Facharzt ausstellen. Spezialisten für Lebererkrankungen sind Gastroenterologen, Hepatologen oder Infektiologen. Sie verfügen über das spezifische Fachwissen für die Langzeitbetreuung.

Icon Blutuntersuchung

Ergänzende Untersuchungen durchführen lassen: Bei dem Spezialisten werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Dazu gehören detailliertere Bluttests (z. B. der Ausschluss von begleitenden Infektionen wie Hepatitis D) und ein schmerzloser Ultraschall der Leber, um deren genauen Zustand zu bestimmen.
Lerne hier mehr über mögliche Folgeschäden und Begleiterkrankungen der Hepatitis-B-Infektion.

Icon Notizen

Gemeinsam den Behandlungsplan festlegen: Zusammen mit dem Spezialisten entscheidest du, ob eine sofortige medikamentöse Therapie notwendig ist oder ob eine regelmäßige, engmaschige Kontrolle deiner Werte zunächst ausreicht.
Hier kannst du dir einen Überblick über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten verschaffen.

Leben mit Hepatitis B

Möchtest du mehr darüber erfahren, wie das Leben mit Hepatitis B aussieht, wie du die Leber durch einfache Maßnahmen selbst schützen und wie du mit deinen Liebsten darüber sprechen kannst? Wir haben Information für dich zusammengestellt: 

Hepatits B – was ist das? 
Mögliche Folgeschäden & Begleiterkrankungen  
Medikamentöse Behandlung 
Leben mit Hepatitis B 

Hier erhältst du weitere Unterstützung:
Wenn du dich austauschen möchtest oder professionelle Begleitung suchst, gibt es ein starkes Netzwerk, das für dich da ist:

  • Selbsthilfegruppen & Patientenorganisationen: Bieten einen geschützten Raum für den Austausch mit anderen Betroffenen sowie verlässliche Informationen und Beratung (z. B. Deutsche Leberhilfe e.V., Deutsche Leberstiftung, teilweise lokale Gruppen).

  • Psychologische Unterstützung: Eine wertvolle Hilfe, wenn dich die Diagnose emotional belastet oder du Unterstützung bei der Bewältigung im Alltag suchst. Ein erster Anlaufpunkt kann beispielsweise die kostenlose Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 sein. 

NP-DE-HP-WCNT-260005, August 2026